In unserer Reihe, in der wir Zitate von legendären Persönlichkeiten vorstellen, die uns persönlich wichtig sind, geht es heute um Steve Prefontaine. Obwohl es schon drei Filme über sein Leben gibt („Fire on the Track“, „Prefontaine“ (mit Jared Leto) und „Without Limits“) und im Nike Hauptquartier schon immer eine Statue von ihm steht, kann ich mir gut vorstellen, dass du noch nicht mal seinen Namen gehört hast.
Steve Prefontaine war ein amerikanischer Mittelstreckenläufer, der zu seiner Zeit an der University of Oregon alle amerikanischen Rekorde von 2.000 bis 10.000 Meter auf der Bahn hielt. Soweit ich weiß, ist das sonst niemandem mehr gelungen. Durch sein extravagantes Auftreten, seine Rhetorik aber vor allem durch seinen aggressiven Laufstil hat er es geschafft, dass die Leichtathletikveranstaltungen genauso stark besucht waren, wie die Ballsportarten an den Universitäten. Das kann man sich wirklich nur sehr schwer vorstellen. 1973 war Steve der erste Athlet, den das ein Jahr zuvor gegründete Unternehmen Nike unter Vertrag nahm und er war der erste, der Schuhe mit Swoosh bei offiziellen Rennen trug. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde er in einem legendären Rennen über 5.000 Meter leider nur vierter, nachdem er das Rennen bis kurz vor Ende angeführt hatte. Galt er 1972 noch aus Außenseiter, so war er der absolute Favorit für die Olympischen Spiele 1976 in Montreal, an denen er aber leider durch seinen frühen Tod durch einen Autounfall am 30.05.1975 im Alter von 24 Jahren nicht mehr teilnehmen konnte.

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I do it because I can, I can because I want to, I want to because you said I couldn’t. „
Steve Prefontaine
Nur weil alle sagen, dass man etwas nicht schaffen kann, heißt das noch lange nicht, dass das auch immer stimmt. Manchmal braucht es einfach den Richtigen oder die Richtige zur richtigen Zeit, um etwas zu schaffen, das zuvor als unmöglich galt. Und das sind oft Menschen, denen man so etwas (auf den ersten Blick) nicht zutraut, die aber einen überstarken inneren Willen haben. So wie Steve Prefontaine, dem alle sagten, dass er nie ein guter Läufer wird, weil seine Beine unterschiedlich lang sind.

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If you want to be the best, you have to do things other people aren’t willing to do. „
Steve Prefontaine
Diese Macher:innen sind dazu bereit, Dinge zu tun oder zu ertragen, zu denen andere nicht willens oder nicht fähig sind. Als Apple das iPod-Ökosystem inklusive des iTunes Music Stores aufgesetzt hat, wussten sie, dass es nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie die Musik aller Music Labels, d.h. von allen Künstler:innen in einem einzigen Store anbieten können. Das wusste zwar nicht nur Apple, aber nur sie hatten die Ausdauer, alle an einen Tisch zu bringen. Und es war noch schlimmer, denn sie mussten nicht nur alle Labels dazu bringen, ihre Titel im gleichen Store anzubieten. Sie mussten sich auch auf ein einheitliches Preismodell für alle Titel einlassen, egal wie alt oder neu, nachgefragt oder unbedeutend ein Titel gerade ist. Jeder Song 99ct. Apple hatte als einziges Unternehmen den Mut, dieses Unterfangen anzugehen und auch noch erfolgreich umzusetzen. Dabei darfst du nicht vergessen, dass Apple 2001 nicht das mächtige Apple von heute war, sondern gerade dabei war, sich wieder aus der Bedeutungslosigkeit herauszuarbeiten. Apple hatte somit zu dieser Zeit keine Druckmittel und keine Machtposition, die sie ausspielen konnten. Obwohl alle anderen es für unmöglich hielten, wusste Apple, dass es nur so geht und dass sie mit Steve Jobs jemanden hatten, der wusste, dass (nur) er das schaffen kann.

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Steve Prefontaine
Steve wollte den Zuschauern bei jedem Lauf eine Show bieten. Darum ist er seine Rennen immer von vorne, d.h. in Führung gelaufen und zwar von Anfang an, so schnell er konnte. Man nannte das früher Suicide-Pace, heute nennen es viele auch Prefontaine-Pace. Langweilige, taktische Rennen waren nichts für ihn und nichts fürs Publikum. Und das ist es heute in unserem Business ganz genauso. Es reicht heute aber nicht mehr, einfach nur etwas irgendwie zu machen. Heute muss es geil sein. Die meisten Produkte und Services gibt es schon in irgendeiner Form, aber nur die allerwenigstens sind wirklich geil, begehrenswert oder geliebt. Wenn man heute etwas macht, dann bitte gleich richtig. Als Apple 2001 den iPod auf den Markt gebracht hat, war das bei weitem nicht der erste portable Player, um digitale Musik abzuspielen. Es war auch nicht der erste Player, der eine Festplatte als Speichermedium nutzte. Oder der erste, der das frei verfügbare mp3 Format abspielen konnte. So könnte ich jetzt wahrscheinlich für jedes einzelne Feature des iPods zeigen, dass es das irgendwo, irgendwie schon gab. Aber in Summe bot der iPod ein Erlebnis, das kein anderer Player auch nur annähernd erreicht hat: „A thousand songs in your pocket“. Mit seinem klaren, weißen Design, seiner unübertroffen leichten Bedienbarkeit, seiner (für damalige Verhältnisse) riesigen Speicherkapazität von 5GB und vor allem seiner Einbindung ins iTunes Ökosystem war er ganz klar das Objekt der Begierde. Und seine weißen Kopfhörer wurden zum Erkennungszeichen derer, die sich ihrer Begierde schon hingegeben hatten und stärkten die Sehnsucht derer, die es noch nicht hatten.

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I’m going to keep working to improve, to stretch my limits, to break the barriers that are holding me back. „
Steve Prefontaine
Wir dürfen uns heute nicht (mehr) auf unseren Erfolgen ausruhen, sondern müssen unser Angebot immer weiter ausbauen und verbessern. Macht man selbst den nächsten Schritt nicht als erster, dann macht ihn ganz bestimmt ein anderer. Digitale Technologie macht es so vielen Unternehmen so einfach in neue Geschäftsbereiche vorzudringen, dass es sich kein Unternehmen mehr leisten kann, still zu stehen. Egal wie groß und erfolgreich es auch sein mag. Dazu gehört es auch, Entscheidungen zu treffen, die ggf. von vielen im eigenen Unternehmen zunächst als unpopulär wahrgenommen werden. Um den Erfolg des iPod-iTunes-Ökosystems weiter zu vergrößern, ist Apple 2002 über seinen Schatten gesprungen, und hat auch iPods für PC Nutzer:innen angeboten. PC Nutzer:innen wurden über Jahrzehnte als der Feind angesehen, ganz offiziell auch in diversen (berühmten) Apple Marketing-Kampagnen. Der PC-Markt war in den frühen 2000er Jahren um ein Vielfaches größer als der Mac Markt und ermöglichte Apple ungeahnte Umsätze. Dieser Entscheidung wurde jedoch von vielen Apple (Ultra) Fans gehasst, die sich so ihrer Exklusivität beraubt sahen. Ohne diese unpopuläre Entscheidung, die 2003 noch dadurch verstärkt wurde, dass die Trennung zwischen PC und Mac Modell mit einem Universalmodell aufgelöst wurden, wäre der Erfolg von Apple im digitalen Music Business unmöglich gewesen.

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To give anything less than your best is to sacrifice the gift. „
Steve Prefontaine
Das ist mein absolutes Lieblingszitat von Steve Prefontaine. Wenn wir etwas richtig gut können, dann sind wir es unseren Kunden schuldig, auch immer unser Bestes zu geben. Erst recht, wenn wir es besser können als die (meisten) anderen. Alles andere wäre falsch. Wir dürfen uns nicht mit weniger zufrieden geben. Das ist die Bürde, mit der wir zu leben haben. Auch wenn das heute leider nicht mehr (vollumfänglich) auf Apple zutrifft, so galt es zumindest für das Apple Music Business unter Steve Jobs. Ständig kamen echte Neuerungen in Software und Hardware, die Kund:innen ihr digitales Musikerlebnis verbessert haben.

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Somebody may beat me, but they are going to have to bleed to do it. „
Steve Prefontaine
Ja, vielleicht kommt irgendwann ein Unternehmen, das unser Business besser kann als wir. Und ja, vielleicht kommt irgendwann jemand, der unseren Job besser kann als wir. Das kann man nie genau wissen. Aber die werden auf keinen Fall deswegen besser sein, weil wir uns ausgeruht haben, weil wir uns nicht weiterentwickelt haben, weil wir aus Eitelkeit einen Trend verpasst oder einen Markt nicht erschlossen haben oder weil wir nicht immer unser Bestes gegeben haben. Wir werden all das machen, so gut wir können. Immer. Und wenn es dann doch passiert, dann werden die anderen auf jeden Fall dafür bluten müssen, um besser zu sein.
Ich hoffe, du findest die Zitate von Steve Prefontaine genauso motivierend wie ich. Wenn du einen der drei Filme über Steve schauen möchtest, dann empfehle ich dir die Dokumentation „Fire on the Track“ . Im Biopic „Prefontaine“ bekommst du im Filmformat zwar mehr Fakten über Steve, aber „Without Limits“ ist der bessere Film. Hast du einen Vorschlag für weitere legendäre Persönlichkeiten, deren Zitate wir hier präsentieren sollten? Dann lass uns bitte einen Kommentar da.
Marcus

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